Die Wirbelsäule: Aufbau, Funktion und Ursachen für Schmerzen

 
17.12.2018

Die menschliche Wirbelsäule ist nicht nur dafür zuständig, dass ein aufrechter Gang möglich ist. Das Geflecht aus einzelnen Wirbelkörpern, Bandscheiben, Bändern und Muskeln ermöglicht auch die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Hier erfahren Sie alles über den Aufbau der Wirbelsäule und die Funktionen der einzelnen Segmente. Im zweiten Teil erklären wir, wie Schmerzen durch Wirbelsäulenbeschwerden entstehen können – und was sich dagegen tun lässt.

Aufbau der Wirbelsäule: Anatomie-Grundlagen

Die Wirbelsäule ist ein hochkomplexes System aus vielen Komponenten, über die es natürlich weit mehr zu sagen gäbe, als ein einziger Artikel es ermöglicht. Wir beginnen deshalb einfach einmal mit den grundlegenden Erklärungen: Was leistet eigentlich die Wirbelsäule und wie ist sie aufgebaut?

Die Funktion der Wirbelsäule

Zuallererst ist die Wirbelsäule dafür zuständig, das Gewicht des gesamten Oberkörpers, bestehend aus Kopf, Rumpf und Armen, zu tragen und zu stützen. Außerdem umschließt die Wirbelsäule das Rückenmark, welches sich im Wirbelkanal befindet.

Unsere Wirbelsäule macht es möglich, dass wir aufrecht gehen und Bewegungsfreiheit haben. Da sie von der Seite gesehen eine doppelte S-Krümmung aufweist, funktioniert sie außerdem als ausgeklügelter „Stoßdämpfer“: Erschütterungen, wie sie durch Gehen, Laufen, Springen etc. ausgelöst werden, können dank der Wirbelsäule für das Gehirn nicht gefährlich werden.

Wirbelsäulenabschnitte: Wie viele Wirbel hat der Mensch?

Die Wirbelsäule besteht grob gesagt aus 5 Abschnitten. Die Aufteilung von oben nach unten sieht folgendermaßen aus:

  • Aufbau der WirbelsäuleHalswirbelsäule (7 Wirbel)
  • Brustwirbelsäule (12 Wirbel)
  • Lendenwirbelsäule (5 Wirbel)
  • Kreuzbein (5 Wirbel)
  • Steißbein (4-5 Wirbel)

Durch die unterschiedlichen Wölbungen der einzelnen Abschnitte entsteht die charakteristische Doppel-S-Form. Die Hals- und Lendenwirbelsäule sind nach vorne gewölbt (Lordose), während die Brust- und Sakralwirbelsäule nach hinten gekrümmt sind (Kyphose).

Mit Sakralwirbelsäule sind Kreuz- und Steißbein gemeint. Beide Segmente unterscheiden sich von den anderen drei Abschnitten dadurch, dass die Wirbel nicht frei beweglich sind, sondern zwischen dem 20. und 25. Lebensjahr miteinander verwachsen.

Insgesamt finden wir in der Wirbelsäule also 24 freie Wirbel und 9-10 unbewegliche bzw. verschmolzene. Mit Ausnahme des ersten und zweiten Halswirbels besteht ein einzelner Wirbel aus den folgenden Elementen:

  • Wirbelkörper
  • Wirbelbogen
  • Dornfortsatz
  • Zwei Querfortsätze
  • 4 Gelenkfortsätze

Wirbelkörper und -bogen umgeben miteinander den Wirbelkanal und formen damit eine Schutzhülle für das Rückenmark.

Die beweglichen Wirbel sind verbunden durch 23 Bandscheiben, die Wirbelgelenke und insgesamt 6 Bänder. Die Bandscheiben sind Faserringe mit einer gallertartigen Füllung, die über den Tag hinweg abgegeben wird, wenn die Wirbelsäule Druck ausgleichen muss. Bei einem gesunden Rücken nehmen die Bandscheiben die Flüssigkeit (vor allem nachts) wieder auf.

Welcher Wirbel ist für was zuständig?

Die Wirbel werden üblicherweise im jeweiligen Abschnitt der Wirbelsäule von oben nach unten durchnummeriert. Das Besondere daran: Jeder einzelne beeinflusst einen bestimmten Körperbereich. Wenn also (Rücken-)Beschwerden entstehen, lassen sie sich oft auf ein Wirbelsäulensegment zurückführen. Grob gesagt gelten folgende Zuständigkeitsbereiche:


  • Halswirbel – Atlas (erster Halswirbel) und Axis (zweiter Halswirbel) sowie C1-C7:
    Sie erlauben maximale Beweglichkeit und Drehbewegungen in verschiedene Richtungen, auch an der senkrechten Achse.
  • Brustwirbel – Th1-Th12:
    Sie sorgen für Stabilisierung und sind aufgrund der Verbindung der Wirbel mit den Rippen eher unbeweglich.
  • Lendenwirbel – L1-L5:
    Sie tragen die Hauptlast in Form von Rumpf- und Kopfgewicht und sind dementsprechend größer und robuster. Die Lendenwirbel ermöglichen es, sich nach hinten zu strecken bzw. nach vorn zu beugen.
  • Kreuzbein – S1-S5:
    Es ist das Verbindungselement zwischen Wirbelsäule und Hüftbeinen und ermöglicht die Übertragung der Rumpflast auf die Oberschenkel.
  • Steißbein:
    Es ist der nach unten geöffnete Ansatzpunkt für Beckenbänder, Beckenbodenbänder bzw. -muskeln und Hüftgelenke.

Wirbel, Bänder, Bandscheiben – und was ist mit den Nerven? Auch sie spielen eine wesentliche Rolle, denn sie sind unter anderem dann ein wichtiger Indikator, wenn man Schmerzen verspürt, die vom Rücken auszugehen scheinen.

Nerven in der Wirbelsäule

Das zentrale Nervensystem umfasst, vereinfacht gesagt, das Gehirn und das Rückenmark. Etwas genauer formuliert, lässt sich die Verbindung zwischen Nerven und Wirbelsäule so beschreiben: Die Rückenmarksnerven, auch Spinalnerven genannt, treten jeweils unterhalb der Bandscheiben seitlich durch die Löcher zwischen den Wirbeln aus.

Von dort reichen die Nerven zum jeweiligen Muskel und leiten Informationen an das Nervensystem weiter. Durch diese spezifische Aufteilung lässt sich bei Verletzungen erkennen, in welcher Höhe der Wirbelsäule vermutlich die Schädigung vorliegt. Denn je nachdem, in welcher Körperregion und wie stark ausgeprägt Gefühlsstörungen oder Lähmungserscheinungen auftreten, lässt sich die Schmerzursache in der Wirbelsäule lokalisieren.

Schmerzen in der Wirbelsäule: Welche Beschwerden gibt es?

Von Rückenschmerzen bleibt im Lauf der Zeit wohl niemand verschont. Es gibt jedoch nicht den Grund für diese Art Schmerz, weshalb wir hier nur eine kleine Auswahl der häufig auftretenden Beschwerden auflisten.

SkolioseSkoliose: die Wirbelsäulenverkrümmung

Von vorne oder hinten betrachtet ist die Wirbelsäule so gut wie gerade und weist nur von der Seite die S-Krümmung auf. Ist sie jedoch außerdem seitlich verformt, spricht man von Skoliose. Eine derart schiefe Wirbelsäule ist oft noch mit einer Verdrehung der Wirbelkörper im Bereich der Lenden- und Brustwirbelsäule oder dazwischen verbunden.

Skoliose ist entweder angeboren oder entsteht aufgrund einer Muskelerkrankung. Sie kann sich aber auch erst im Wachstum ohne eindeutige Ursache entwickeln. Vor allem im Erwachsenenalter können durch die Verformung dann Schmerzen entstehen, im schlimmsten Fall leiden die inneren Organe darunter. So kann zum Beispiel durch die Verschiebung in der Wirbelsäule die Lunge beeinträchtigt und Atembeschwerden hervorgerufen werden.

Wie sich eine schiefe Wirbelsäule behandeln lässt, hängt davon ab, wie stark ausgeprägt die Skoliose ist. In jedem Fall sollte die Behandlung durch einen Orthopäden erfolgen. Denn nur der Fachmann kann beurteilen, ob vielleicht schon regelmäßige Physiotherapie bzw. Krankengymnastik ausreichend ist oder womöglich ein stützendes Korsett getragen werden muss.

Der Bandscheibenvorfall

Ein weitaus gängigeres Rückenleiden ist der Bandscheibenvorfall: Wenn die Bandscheiben zu sehr druckbelastet sind oder nicht mit ausreichend Feuchtigkeit versorgt werden, kann der Faserring einer Bandscheibe einreißen. Dann treten einzelne Teile davon in den Wirbelkanal aus – und das macht sich schmerzhaft bemerkbar.

Um diesem Fall vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung wichtig. Denn durch moderate, sanfte Sportarten werden die Bandscheiben „trainiert“. Wichtig ist dabei, dass die Sportart nach dem Zug-Druck-Mechanismus funktioniert, damit die gallertartige Masse und genügend Nährstoffe wieder in die Bandscheiben aufgenommen werden können. Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zum Thema Bandscheibenvorfall.

Arthrose und Hämangiom bei der Wirbelsäule

An Wirbelsäulenarthrose und -hämangiome denkt man vielleicht beim Thema Rückenprobleme nicht als erstes. Damit Sie im Zweifelsfall trotzdem Bescheid wissen, was es damit auf sich hat, hier die wichtigsten Eckdaten:

  • Wirbelsäulenarthrose: Arthrose ist eine Verschleißerscheinung des Körpers und kann unter anderem in der Wirbelsäule auftreten. Der starke Rückenschmerz entsteht dann dadurch, dass die Knochen aufeinander reiben, weil der Gelenkknorpel der Facettengelenke stark abgenutzt ist. Diese Gelenke verbinden die einzelnen Wirbel nach oben und unten.
  • Wirbelsäulenhämangiom: Das Wirbelsäulenhämangiom ist ein gutartiger Tumor an der Wirbelsäule, und zwar der am häufigsten auftretende. Meist findet sich so ein Tumor in den Wirbelkörpern der Brust- oder Lendenwirbelsäule. Da aber spürbar ausgeprägte Symptome wie Schmerzen oder neurologische Störungen eher die Ausnahme sind, ist keine spezielle Therapie nötig. Apropos Therapie: Was kann man eigentlich konkret tun, wenn der Rücken Probleme macht? Wie kann man Wirbelsäulenprobleme feststellen und behandeln?

An dieser Stelle sei noch einmal darauf hingewiesen, dass es sich bei den Informationen in diesem Abschnitt natürlich nur um einen Auszug aller Möglichkeiten handelt – eben jener Möglichkeiten, die besonders oft eingesetzt werden, um zu diagnostizieren und zu behandeln.

Röntgen der Wirbelsäule

Das Ziel beim Röntgen der Wirbelsäule ist es, die Form, Begrenzung und Dichte der Knochen zu erkennen. Zum Beispiel kann auf so einer Röntgenaufnahme festgestellt werden, ob eine Skoliose vorliegt oder die Abstände zwischen einzelnen Wirbeln ungewöhnlich sind.

Das Röntgen ist bei dauerhaften Rückenschmerzen ohne sofort erkennbare Ursache ein Standardverfahren. In der Regel wird die Aufnahme im Stehen gemacht und zeigt die ganze Wirbelsäule, um ein aussagekräftiges Gesamtbild zu ermöglichen.

WirbelsäulenblockadenEinrichten der Wirbelsäule bei Blockaden

Liegen in der Wirbelsäule schmerzhafte Blockaden vor, ist oft das „Einrenken“ das Mittel der Wahl. Streng genommen ist dieser Begriff aber nicht ganz richtig, denn es handelt sich bei solchen Beschwerden eher um eine Verklemmung als um eine Ausrenkung. Diese Verklemmung führt dazu, dass man sich zeitweise nicht so umfassend bewegen kann wie sonst.

Das Einrichten kann man bei leichten Verklemmungen entweder mit regelmäßigen Rückenübungen selbst übernehmen oder aber auf einen Chiropraktiker setzen. In der Chiropraxis wird die Wirbelsäule durch Druck, Dehnung und Strecken manuell korrigiert.

Dabei ist ein Knacken in der Wirbelsäule nicht ungewöhnlich. Dieses Geräusch entsteht, wenn Gasbläschen in der Gelenkflüssigkeit platzen, ist aber nicht das Hauptziel beim Einrichten der Wirbelsäule.

Infiltrieren der Wirbelsäule

Die Infiltration ist eine Art der Schmerzbehandlung. Bei der Wirbelsäulenbehandlung handelt es sich um eine epidurale Infiltration, also das Einspritzen nahe am Rückenmark. Dabei wird eine Kombination aus lokalen Betäubungsmitteln und einem Medikament mit Langzeitwirkung eingesetzt. Diese Methode bewirkt, dass die Schmerzen nicht weitergeleitet und Entzündungen nicht noch verstärkt werden.

Übungen zum Dehnen, Strecken und Kräftigen der Wirbelsäule

Was die Gesundheit der Wirbelsäule betrifft, gilt: Vorbeugen lohnt sich! Mit den folgenden beiden Übungen können Sie ohne viel Aufwand Ihrem Rücken etwas Gutes tun.


Dehnung:

Ziehen Sie in Rückenlage beide Beine angewinkelt so weit wie möglich zum Oberkörper. Die Arme umfassen dabei beide Oberschenkel in der Kniekehle.  Bleiben Sie in dieser Position 20-30 Sekunden. Sie dehnen (und entlasten) dabei den unteren Rücken!


Streckübung:

Strecken Sie in Rückenlage den linken Arm und das rechte Bein (also diagonal) in die Länge und bleiben Sie in dieser Position 20-30 Sekunden. Wechseln Sie danach den Arm und das Bein (wieder diagonal) und bleiben Sie weitere 20-30 Sekunden in dieser Position. Die Übung dient der Dehnung und Mobilisation.  


Kräftigung:

Legen Sie sich in Bauchlage hin. - Die Zehenspitzen berühren den Boden und Sie spannen die Gesäßmuskeln sowie die Beine an.  Legen Sie nun Ihre Stirn auf die Rückseite der Handflächen. Die Ellbogen befinden sich dabei seitlich vom Oberkörper.

Jetzt heben Sie beide Arme und den Kopf ein paar Zentimeter vom Boden ab und stabilisieren dabei die Wirbelsäule für 12-15 Sekunden. Versuchen die Übung 8-10-mal jeweils für 12-15 Sekunden. Dadurch kräftigen Sie Ihre Rückenstrecker.


Eine letzte Anmerkung an dieser Stelle: Natürlich sind entsprechende Übungen nicht das Nonplusultra für die Rückengesundheit. Bei weitem nicht alle Rückenbeschwerden lassen sich durch Bewegung beheben. Es muss bei der Durchführung zudem immer darauf geachtet werden, dass die Übungen schonend ausgeführt werden, am besten unter fachlicher Anleitung. Bei starken Schmerzen sollte auf jeden Fall ein Arzt aufgesucht werden.

Was aber zweifellos gegen das Auftreten von Rückenbeschwerden hilft, ist moderate, regelmäßige Bewegung. Das kann beispielsweise Nordic Walking oder Radfahren und gezieltes Muskeltraining sein, damit die Wirbelsäule ausreichend gestützt wird. Mit einem gesunden Lebensstil und nicht zuletzt auch einer rückenfreundlichen Schlafausstattung, wie mit einem perfekt abgestimmten Schlafsystem , können Sie jedoch schon viel dazu beitragen, Ihre Wirbelsäule gesund zu halten – damit Rückenschmerzen erst gar nicht entstehen!

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