Von akuten Rückenschmerzen im unteren Rücken bis zu ausstrahlenden Schmerzen: ein Bandscheibenvorfall kann sich auf viele Arten bemerkbar machen. Am häufigsten betroffen sind Halswirbelsäule (HWS) und Lendenwirbelsäule (LWS). Hier erfahren Sie, was dabei eigentlich passiert, wann eine konservative Therapie bzw. eine Operation zur Behandlung des Bandscheibenvorfalls nötig ist und was Sie tun können, wenn die klassischen Symptome auftreten.

Was ist ein Bandscheibenvorfall?

Die Bandscheiben sind gewissermaßen die „Stoßdämpfer“ der Wirbelsäule und befinden sich zwischen den einzelnen Wirbelkörpern. Sie bestehen aus einem Faserring und einer gallertartigen Füllung. Beim Bandscheibenvorfall (Diskushernie) reißt der Faserring der Bandscheibe ein und die Gallertmasse tritt aus – was der Körper schmerzhaft zu spüren bekommt.

Wie ein Bandscheibenvorfall entsteht

Der Gallertkern einer Bandscheibe besteht aus Gewebeflüssigkeit. Damit er elastisch bleiben kann, muss er mit Nährstoffen versorgt werden, die er nur aus Wasser beziehen kann: Der Kern saugt sich im Liegen mit Flüssigkeit voll, wodurch sich sein Volumen vergrößert. Beim Stehen wird wiederum Wasser herausgepresst, sodass die Bandscheibe schrumpft. Werden aufgrund von einseitiger Belastung nicht genug Nährstoffe aufgenommen, verhärten die Bandscheiben und werden spröde.

Wie ein Bandscheibenvorfall entstehtDie Folge: Der Faserring reißt ein und das Bandscheibengewebe tritt in den Nervenkanal der Wirbelsäule (Spinalkanal) aus. Dort drückt es entweder seitlich oder mittig auf die Nerven. Durch den Kontakt zwischen Nervenwurzel und Bandscheibengewebe entsteht eine Entzündung, und diese Körperreaktion verursacht den eigentlichen Schmerz.

Der Bandscheibenvorfall ist also im Prinzip nichts anderes als eine Abnutzungserscheinung des Körpers. Die Schmerzen entstehen dadurch, dass das Rückenmark eingeengt wird oder Spinalnerven gequetscht bzw. entzündet werden.

Dauer eines Bandscheibenvorfalls

Tatsächlich äußern sich bei weitem nicht alle Bandscheibenvorfälle in Schmerzen; manche bleiben unentdeckt. Im Fall eines Bandscheibenvorfalls mit entzündlicher Reaktion ist allerdings Geduld gefragt: Bei einer konservativen Therapie dauert es im Normalfall rund 6-8 Wochen bis zur Heilung.

Aber Achtung: Dass die Schmerzen verschwunden sind, heißt nicht, dass die Wirbelsäule jetzt wieder völlig fit und gesund ist. Nach einem Bandscheibenvorfall ist es umso wichtiger, regelmäßig stabilisierende, kräftigende Übungen zu machen, damit einem weiteren Vorfall vorgebeugt wird.

Der chronische Bandscheibenvorfall

Ein spürbarer Bandscheibenvorfall ist ohne Frage immer sehr unangenehm. Wirklich problematisch wird die Situation allerdings erst, wenn der Bandscheibenvorfall chronisch wird. Das kann geschehen, wenn man aufgrund der Schmerzen dauerhaft eine Schonhaltung einnimmt und die Schonzeit allzu lang dauert.

Bei einem chronischen Bandscheibenvorfall „erlernt“ der Körper gewissermaßen den Rückenschmerz und stuft ihn als alltäglich ein. Die konservative Therapie schlägt dann wesentlich schlechter an, sodass unter Umständen eine Operation nötig wird. Die beste Vorbeugung gegen einen chronischen Bandscheibenvorfall ist es deshalb, die Schonzeit möglichst kurz zu halten.

Protrusion: Was ist eine Bandscheibenvorwölbung?

Die Bandscheiben können abgesehen davon durch eine sogenannte Protrusion Schmerzen verursachen. Dabei bleibt der Faserring intakt, doch die Gallertfüllung und damit auch ein Teil des Rings wölbt sich nach vorn. Die Bandscheibe verliert ihre ursprüngliche Form und drückt wieder auf eine Nervenwurzel. Nicht zu verwechseln ist die Vorwölbung (Protrusion) mit dem Prolaps, dem eben beschriebenen Bandscheibenvorfall.

Was tun bei einem Bandscheibenvorfall?

Keine Sorge: Natürlich ist nicht jeder Schmerz im Nacken oder unteren Rücken automatisch ein Bandscheibenvorfall. Tritt der heftige Schmerz allerdings direkt nach einer bestimmten Bewegung auf, handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Prolaps oder alternativ einen Hexenschuss.

Was tun bei einem Bandscheibenvorfall?Versuchen Sie, Ihre Symptome so genau wie möglich zu registrieren. Lässt sich der Schmerz ganz konkret orten oder ist er eher diffus? Spüren Sie nur Schmerzen oder auch ein Taubheitsgefühl? Je heftiger diese Symptome, desto früher sollten Sie einen Arzt aufsuchen. In der Untersuchung kann genau festgestellt werden, woher die Schmerzen rühren.

Der Arzt führt zu diesem Zweck zum Beispiel den Lasègue-Test durch, bei dem untersucht wird, wie weit das ausgestreckte Bein in Rückenlage angehoben werden kann, ohne dass Schmerzen in der Hüfte entstehen. Auch anhand der Krankengeschichte kann ein Fachmann oft schon einschätzen, ob ein Bandscheibenvorfall wahrscheinlich ist oder nicht.

Hals- oder Lendenwirbelsäule – wo tritt der Bandscheibenvorfall auf?

Der am stärksten belastete Teil der Wirbelsäule ist der Lendenbereich. Dementsprechend tritt ein Bandscheibenvorfall in den meisten Fällen im unteren Teil der Lendenwirbelsäule auf, und zwar im Übergang zum Steißbein. Geht man nach der Nummerierung der einzelnen Wirbel von oben nach unten, handelt es sich um die Wirbel L1-L5.

Tritt der Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule auf, ist ebenfalls in der Regel das untere Ende betroffen, wo die Halswirbelsäule in die Brustwirbelsäule übergeht. Betroffen sind in so einem Fall der 5. und 6. oder der 6. und 7. Halswirbelkörper; man spricht von einer cervicalen Diskushernie.

Natürlich ist auch in der Brustwirbelsäule ein Bandscheibenvorfall möglich, aber eher ein seltenes Phänomen. Denn am meisten Druck lastet im Alltag doch auf der Lenden- und Halswirbelsäule, sei es durch Bücken nach vorne, Drehungen des Kopfes oder ähnliche Bewegungen.

Tipp: Um einen Bandscheibenvorfall an der HWS vorzubeugen, kann ein individuell angepasstes Schlafsystem behilflich sein.

Wie kann man den Bandscheibenvorfall erkennen?

An jedem Ort der Wirbelsäule treten seitlich Nervenbahnen aus, die zu unterschiedlichen Orten im Körper führen. Dementsprechend geben der Ort und die Art der Schmerzen relativ genau Auskunft darüber, in welcher Höhe der Wirbelsäule der Bandscheibenvorfall vermutlich vorliegt. Die gängigen Symptome zu kennen, kann also helfen, möglichst schnell die Ursache des Problems zu finden.

Schmerzen in den Lendenwirbeln und im unteren Rücken

Handelt es sich um einen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule, lässt sich der Schmerz im unteren Rücken verorten und dort entweder links, rechts oder mittig. In diesem Bereich der Wirbelsäule stehen die einzelnen Wirbel sehr steil aufeinander und dazwischen ist nur wenig Platz.

Schmerzen im LendenwirbelbereichWenn der Faserring einer Bandscheibe einreißt und die Gallertmasse in diesen Zwischenraum eindringt, der ohnehin schon begrenzt ist, blockieren sich die Wirbel gegenseitig und die Bewegungsfreiheit ist stark eingeschränkt.

Je weniger man sich bewegen kann, desto stärker neigt man dazu, die andere Seite automatisch einseitig zu belasten. Deshalb passiert es bei einem Prolaps in der Lendenwirbelsäule oft, dass auf einen Bandscheibenvorfall kurze Zeit später der zweite folgt.

Ausstrahlung: Schmerzen im Bein durch Bandscheibenvorfall

Während ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule bis in die Fingerspitzen ausstrahlen kann, wirkt sich ein Vorfall in der Lendenwirbelsäule auf die Nerven im Unterkörper aus. Wenn der Schmerz also vom unteren Rücken bis in die Füße zieht, handelt es sich womöglich um einen Bandscheibenvorfall in den Lendenwirbeln.

Ein Prolaps in diesem Wirbelsäulenbereich kann auf den Ischiasnerv drücken, den längsten Nerv des Körpers. In so einem Fall wird der Schmerz oft durch Husten oder Niesen noch verstärkt; wieder ist die Bewegungsfähigkeit stark eingeschränkt.

Weitere Symptome eines Bandscheibenvorfalls

Grundsätzlich gilt: Sobald die Schmerzen vom Rücken ausgehend in eine andere Körperregion ausstrahlen oder sogar ein Kribbeln oder Taubheitsgefühl auslösen, liegt höchstwahrscheinlich ein Bandscheibenvorfall vor. Das gilt für Schmerzen, die in die Beine ziehen, aber auch für solche, die vom Hals-Nacken-Bereich nach unten ziehen oder Kopfschmerzen verursachen.

Ein wichtiges Warnsignal sind alle Arten von sensorischen und motorischen Ausfällen wie zum Beispiel Störungen beim normalen Gehen. Werden diese Symptome ignoriert, kann es zu schwerwiegenden Folgen kommen.

Bei einem Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule etwa tritt dann womöglich eine Lähmung im Unterbauch- oder Genitalbereich auf. Daher ein weiteres Mal der Ratschlag: Gehen Sie im Zweifelsfall lieber zu früh als zu spät zum Arzt.

Behandlung & Selbsthilfe beim Bandscheibenvorfall

An dieser Stelle eine gute Nachricht: Ein „normaler“ Bandscheibenvorfall ist zwar schmerzhaft, muss aber keine dauerhafte Einschränkung bedeuten. Mit etwas Geduld und Disziplin lassen sich die Beschwerden meist gut lindern.

Heilt ein Bandscheibenvorfall von allein?

Ja, ein Bandscheibenvorfall kann theoretisch von allein heilen, denn das ausgetretene Gewebe wird vom Körper automatisch abgebaut. Bis der Druck von der Nervenwurzel verschwindet, sodass die schmerzhafte Entzündung zurückgehen kann, kann es allerdings bis zu mehreren Monaten dauern.

Schneller verläuft die Heilung, wenn man aktiv nachhilft und regelmäßig entsprechende Übungen zur Regeneration der Bandscheiben macht. Wichtig ist vor allem, nicht dauerhaft im Bett zu bleiben und sich zumindest ein bisschen zu bewegen.

Schmerzen lindern nach dem Bandscheibenvorfall – aber wie?

Mit starken Schmerzen nach einem Bandscheibenvorfall ganz normal dem Alltag nachzugehen, ist leider nicht so einfach. An dieser Tatsache führt kein Weg vorbei. Die stärksten Schmerzen können Sie folgendermaßen bekämpfen:

Bandscheibenvorfall: So können Sie Schmerzen lindern

  • Wärmen Sie die Stelle, z.B. mit einer Rotlichtlampe, einer Wärmflasche etc.
  • Legen Sie sich, wenn nötig, 1-2 Stunden in Stufenlagerung hin. Das heißt: Sie liegen auf dem Rücken und platzieren die Waden auf einem niedrigen Stuhl, sodass sie sich im rechten Winkel zu den Oberschenkeln befinden.
  • Nehmen Sie bei akuten Schmerzen rezeptfreie Schmerzmittel oder Mittel zur Muskelentspannung.

 

Wie bereits erwähnt, spielt auch die Nachbehandlung eine große Rolle. Konkret heißt das: Machen Sie regelmäßig Rückenübungen und kräftigen Sie dadurch Ihre Wirbelsäule.

Ist beim Bandscheibenvorfall eine Operation nötig?

Eine weitere gute Nachricht: Nein, eine Operation ist nach einem Bandscheibenvorfall nicht zwingend nötig. Die konservative, also nicht-operative Behandlung mit Physiotherapie, Schmerzmitteln, Wärme oder eventuell auch einer Halskrause ist oft schon ausreichend. Der Heilungszeitraum beträgt dann in der Regel einige Wochen.

Wirklich nötig ist eine Operation nur dann, wenn nach dem Bandscheibenvorfall die Muskeln gelähmt sind oder die Kraft in dem Körperteil, in den der Schmerz ausstrahlt, akut verringert ist. Sobald Symptome einer Querschnittslähmung auftreten, ist die Operation ebenfalls unvermeidbar.

Das Ziel einer Operation beim Bandscheibenvorfall ist es, die Verklemmung bei den Nerven bzw. die beschädigte Bandscheibe zu entfernen und stabilisierende Ersatzkörper einzusetzen. Diese sorgen dann für den nötigen Abstand zwischen den Wirbeln.

Dass eine Operation nicht unbedingt nötig ist, heißt natürlich nicht, dass sie deshalb unmöglich ist. In so einem Fall führt die operative Behandlung aber in erster Linie dazu, dass die Beschwerden zunächst schnell besser werden. Auf lange Sicht besteht aber im Heilungsprozess kein Unterschied zur konservativen Behandlung.

Ein Bandscheibenfall ist schmerzhaft, das lässt sich nicht leugnen. Gleichzeitig muss ein Prolaps aber nicht bedeuten, dass der Alltag dauerhaft auf Eis gelegt ist. Wer rechtzeitig professionelle Hilfe sucht, kann meist schon nach wenigen Wochen wieder relativ schmerzfrei leben. Damit es erst gar nicht so weit kommt, beugen Sie am besten schon heute vor: Versuchen Sie sich doch einmal an unseren Übungen für einen starken Rücken!


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