Von plötzlich auftretenden, lokal begrenzten Schmerzen im unteren Rücken bis hin zu ziehenden, dumpfen Lendenwirbelschmerzen: Der untere Rücken bereitet vielen Menschen immer wieder Probleme. Was hinter den Kreuzschmerzen stecken kann, wann die Schmerzen in die Beine ausstrahlen und wie Sie Ihre Lendenwirbelsäule schützen können, erfahren Sie bei uns!

Ein kleiner Tipp vorweg: Oft kann auch die richtige Matratze oder ein Nackstützkissen dabei helfen Rückschmerzen zu lindern. 

Arten und Ursachen von Lendenwirbelschmerzen

Wenn die Rede von Rückenschmerzen ist, handelt es sich in den meisten Fällen um Schmerzen im Bereich der Lendenwirbelsäule (LWS). Kein Wunder: Dieser Teil der Wirbelsäule trägt das gesamte Gewicht des Oberkörpers, bekommt aber im Alltag selten genug Aufmerksamkeit, was die Regeneration betrifft.

Schmerzen im unteren Rücken sind also in aller Regel kein Grund zur Sorge, sondern eher ein Warnsignal. Wenn Ihnen die folgenden Symptome bekannt vorkommen, ist es also vielleicht an der Zeit, etwas zu ändern...

Seitliche Schmerzen im unteren Rücken: links, rechts oder mittig

Den Grund für seitliche Schmerzen im unteren Rücken gibt es nicht. Solche Beschwerden können zum Beispiel auf akute Erkrankungen wie eine einseitige Nierenbeckenentzündung zurückgehen, es kann aber genauso ein beeinträchtigter Ischiasnerv, eine Gelenkblockade oder schlicht und einfach Muskelverspannung dahinterstecken.

Ein gängiger Schmerzauslöser ist bei links- bzw. rechtsseitige Lendenwirbelschmerzen auch eine Fehlfunktion des Iliosakralgelenks. Dieses Gelenk verbindet die Wirbelsäule mit dem Becken und trägt eine beträchtliche Last, indem es Bewegungsimpulse in die Beine überträgt.

Seitliche Schmerzen im unteren RückenIm Zusammenhang mit diesen Bewegungen stehen die beiden Hüftbeuger oder Hüftlendenmuskel. Diese Muskeln ziehen direkt an der Lendenwirbelsäule vorbei und beeinflussen sie dadurch. Steht man nun häufig in der Hohlkreuzhaltung und unternimmt allgemein wenig, um die Hüftbeuger zu dehnen, kann es vorkommen, dass der Muskel auf einer Seite in Dauerspannung geht.

So versucht der Körper, Ungleichheiten im Zusammenspiel der Muskeln auszubalancieren – und sagt uns durch die Schmerzen ganz eindeutig, dass etwas nicht stimmt. Das ist natürlich nur eine stark vereinfachte Erklärung für eine komplexe Kette von körperlichen Reaktionen. Unterm Strich bedeutet es aber: Seitliche Schmerzen im unteren Rücken rühren oft von einseitiger Belastung.

Ziehen im unteren Rücken

Mit „ziehendem Rückenschmerz“ ist gemeint, dass sich der Schmerz nicht genau zuordnen lässt und sich anfühlt, als würde er in andere Bereiche ausstrahlen. Eine mögliche Ursache für solche Schmerzen im unteren Rücken kann ganz einfach sein, dass sich der Körper an viele Sitzstunden angepasst hat.

Je mehr wir nämlich sitzen, desto schneller werden die Hüftbeuger und das umgebende Bindegewebe verkürzt. Im Stehen müssen dann die Rückenstrecker viel stärker gegensteuern, um diese Verkürzung auszugleichen. Und schon wirken von vorn und hinten völlig gegensätzliche Kräfte auf die Bandscheiben der Lendenwirbelsäule, sodass sie noch stärker zusammengedrückt werden. Dieser unnatürliche Zustand macht sich leider früher oder später in Lendenwirbelschmerzen bemerkbar.

Plötzliche starke Schmerzen im unteren Rücken

Bei Rückenschmerzen im unteren Bereich, die von einer Sekunde auf die andere kommen, denkt man schnell an einen Hexenschuss (Lumbago). Solche Schmerzen fallen heftig aus, sodass jede Bewegung erst einmal unmöglich scheint. Genau das kann zudem bei einem Bandscheibenvorfall oder Ischiasschmerzen der Fall sein: zwei weitere potenzielle Auslöser für plötzliche Lendenwirbelschmerzen.

Diese Erfahrungen sind zwar schmerzhaft, jedoch verschwinden die akuten Schmerzen meist nach einigen Tagen wieder. Achtung: Sollte der starke Rückenschmerz deutlich länger anhalten oder gar weitere Krankheitssyndrome dazukommen, ist der Hausarzt gefragt!

Lendenwirbelschmerzen beim Liegen

Sie schlafen am liebsten in Seitenlage und mit angezogenen Knien? Dann sind Sie damit nicht allein – aber leider freut sich die Lendenwirbelsäule über diese Position so gar nicht.

Lendenwirbelschmerzen im LiegenDenn wenn im Schlaf die Beine angewinkelt sind, bedeutet das für den unteren Rücken die gleiche Arbeit wie tagsüber im Sitzen. Dabei wäre es gerade nachts wichtig, dass die gesamte Wirbelsäule entlastet werden und regenerieren kann.

Durch die häufige Sitzhaltung nimmt der Körper irgendwann selbst im Liegen die Hohlkreuzstellung an. Der untere Rücken kann also selbst dann wehtun, wenn Sie vermeintlich entspannt in Rückenlage schlafen. In so einem Fall sollten Sie sich überlegen, die Matratze und/oder den Lattenrost auszutauschen, um Ihrem Rücken ein ergonomisch sinnvolles, stützendes Umfeld für die Nacht zu bieten.

 

 

Rückenschmerzen im unteren Rücken und den Nieren

Heftige, drückende Schmerzen im Lendenwirbelbereich können nicht nur durch Hexenschuss und Co. ausgelöst werden, sondern auch durch Nierenbeschwerden. Der Schmerz strahlt dann aus der Nierenregion in den Rücken.

Ein deutliches Warnsignal für eine Nierenerkrankung ist es, wenn sich zu den Rückenschmerzen typische Krankheitssymptome gesellen: Hohes Fieber, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Kopfschmerzen etc. in Verbindung mit starken Rückenschmerzen sind ein klares Zeichen, dass Sie zum Arzt gehen sollten. Denn dahinter kann zum Beispiel eine Nierenkolik oder Nierenbeckenentzündung stecken, und diese Krankheiten erfordern Behandlung mit Antibiotikum bzw. anderen Medikamenten.

Untere Rückenschmerzen in der Frühschwangerschaft

In den ersten Schwangerschaftswochen sind Schmerzen im unteren Rücken der ständige Begleiter vieler werdender Mütter. Das kann unter anderem daran liegen, dass zu Beginn der Schwangerschaft vermehrt Progesteron ausgeschüttet wird, wodurch Bänder und Sehnen aufgelockert werden. Das ist zwar eine wichtige Vorbereitungsmaßnahme des Körpers, bedeutet aber zugleich, dass die Wirbelsäule deutlich weniger Halt hat.

Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft wächst mit dem Kind auch die Belastung für die Lendenwirbelsäule. Das führt oft dazu, dass schwangere Frauen automatisch ins Hohlkreuz gehen – was wiederum bewirken kann, dass das Iliosakralgelenk Schmerzen verursacht. Unter anderem deshalb ist es für unbedingt empfehlenswert, regelmäßig Schwangerschaftsgymnastik zu machen und unter professioneller Anleitung zu lernen, welche Körperhaltung und Übungen entlastend wirken.

Ausstrahlende Lendenwirbelschmerzen: Was heißt das?

Rückenschmerzen, die vom unteren Rücken in die Beine ausstrahlen, können einerseits auf Beschwerden am Iliosakralgelenk hindeuten. Andererseits ist es möglich, dass der Ischiasnerv betroffen ist. Der Ischias, wie dieser Nerv umgangssprachlich genannt wird, ist der größte und längste Nerv im Körper. Er zieht sich vom unteren Teil der Wirbelsäule bis in die Beine hinab.

Wenn er aufgrund von Muskelverhärtungen eingeklemmt wird oder sich entzündet, hat das wortwörtlich weitreichende Auswirkungen: Die Schmerzsignale werden in Rücken-, Gesäß- und Beinmuskulatur ausgesendet. Die Ischiasschmerzen im Rücken sind deshalb meist mit Taubheitsgefühlen in einem oder beiden Beinen verbunden, das Stehen oder Gehen fällt dann ebenfalls schwer.

Ständige Schmerzen im unteren Rücken – was tun?

Kreuzschmerzen sind lästig – aber keine Einschränkung, mit der Sie sich dauerhaft abfinden müssen! Die beiden wirksamsten Gegenmittel heißen Stärken und Dehnen:Physiotherapie bei Rückenschmerzen

  • Die Muskeln im unteren Rücken und Bauch sind Gegenspieler. Wenn durch eine Kombination aus Kraft- und Koordinationstraining beide Komponenten gestärkt werden, können die Muskeln ausgeglichener auf Bewegungsimpulse reagieren und die Lendenwirbelsäule hat von Haus aus eine bessere Stütze.
  • Erst gedehnte Muskeln ermöglichen reibungslose Bewegungsabläufe. Ohne Dehnung bringt also die beste Kräftigung wenig, denn auch noch so starke Muskeln können Schmerzen verursachen, wenn sie nicht lang genug sind und in ihrer verkürzten Form aneinander reiben, bis Entzündungen entstehen.

Mit anderen Worten: Kräftigung allein bedeutet noch keine Entlastung für den unteren Rücken. Die beste Prävention gegen Schmerzen im unteren Rücken sind deshalb regelmäßige Kraft- und Dehnübungen. Wenn Sie dann außerdem versuchen, weniger zu sitzen und nachts auf dem Rücken zu schlafen, sind Sie einem Alltag ohne Kreuzschmerzen schon sehr viel näher – versprochen!


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