Verspannte Muskeln sind grundsätzlich unangenehm. Wenn aber der Ischiasnerv Probleme macht, kann das schnell ziemlich schmerzhaft werden. Hier erfahren Sie, welche Hausmittel bei akuten Ischiasschmerzen helfen, was Sie tun können, wenn der Ischiasnerv eingeklemmt ist und woher der Schmerz in Rücken, Gesäßmuskel und Oberschenkeln eigentlich kommt!

Bei welchen Symptomen spricht man von Ischiasschmerzen?

Arten von Rückenschmerzen gibt es leider so einige, und die möglichen Gründe dafür sind umso zahlreicher. Wie kann man also beurteilen, ob es sich um Ischiasschmerzen, einen Hexenschuss oder vielleicht doch einen Bandscheibenvorfall handelt? Wir haben die gängigen Ischias-Symptome kurz zusammengefasst.

Ischiasschmerzen in Gesäß, Beinen und Lendenwirbelsäule

Der Ischiasnerv, abgekürzt Ischias, ist der längste und dickste Nerv im Körper. Er entspringt dem unteren Teil der Wirbelsäule, genauer gesagt dem Bereich L4-S3, und reicht über die Rückseite des Oberschenkels bis hinab in die Zehen. Ab dem Knie verzweigt sich der Ischiasnerv.

Ischiasschmerzen im Gesäß, Beinen und LendenwirbelsäuleSoweit die Anatomie, aber was heißt das in Bezug auf Schmerzsymptome? Ganz einfach: Wenn Sie Schmerzen im unteren Rücken und Gesäß verspüren, die in die Beine ausstrahlen, ist es gut möglich, dass eine sogenannte Ischialgie dahintersteckt. Nicht zu verwechseln ist der Ischiasschmerz mit einem Hexenschuss: Dieser verursacht „nur“ im Rückenbereich Schmerzen.

Charakteristisch für Ischiasschmerzen ist außerdem, dass sie sehr plötzlich auftreten und durch eine ganz bestimmte Bewegung ausgelöst werden. Besonders häufig passiert das bei Menschen, die viel sitzen und sich wenig bewegen, denn so können schneller Muskelverspannungen entstehen, die Druck auf den Ischiasnerv erzeugen.

Wie lange dauern Ischiasschmerzen an?

Die gute Nachricht: Bei regulärem Verlauf klingen die akuten Ischiasschmerzen meistens schon nach einigen Tagen wieder ab. Es gibt allerdings auch eine schlechte Nachricht: Bis der dumpfe Schmerz wieder vollständig verschwunden ist, kann es bis zu 6 Wochen dauern. Ein bisschen Geduld ist also doch nötig.

Aber Achtung: Wenn zu den Schmerzen ein Taubheitsgefühl im Schambereich bzw. der Oberschenkelinnenseite oder Inkontinenz hinzukommen, sollten Sie unbedingt zum Arzt gehen. So kann festgestellt werden, ob es sich um einen Bandscheibenvorfall handelt, der professionell behandelt werden muss.

Ursachen: Woher kommen Ischiasschmerzen?

Am besten lassen sich Schmerzen bekämpfen, wenn der Auslöser dafür bekannt ist. Was in der Theorie so simpel klingt, ist in der Praxis bei Ischiasschmerzen leider nicht so einfach umzusetzen: Hinter den Schmerzen können unterschiedliche Ursachen stecken.

Schmerzen durch einen eingeklemmten Ischiasnerv

Der Ischiasnerv tritt zwischen dem vierten Lenden- und zweiten Kreuzbeinwirbel aus. Wenn sich dieser Austrittspunkt verengt, wird der empfindliche Nerv eingeklemmt. Dadurch entstehen Schmerzen, die in die Funktionsbereiche des eingeklemmten Ischiasnervs ausstrahlen, also das Gesäß und die Hinterseite der Oberschenkel.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich zu diesem Schmerz noch ein Taubheitsgefühl gesellt; man spricht dann von einer Lumboischialgie. Das Problem dabei: Durch den Schmerz verkrampfen automatisch die Muskeln im Austrittsbereich, sodass der Nerv noch weiter eingeklemmt wird.

Aber wodurch entsteht nun diese Verengung? Gründe gibt es wieder einmal einige. Zum Beispiel kann ein Bandscheibenvorfall bzw. eine -vorwölbung oder auch Wirbelgleiten bewirken, dass der Ischiasnerv eingeklemmt wird.

Das Piriformis-Syndrom

Der Ischiasnerv wird vom Piriformis-Muskel bedeckt, teilweise durchzieht der Nerv sogar den Muskel. Dieser ist mit dafür verantwortlich, dass wir unseren Oberschenkel drehen oder anheben können und spielt dementsprechend eine gar nicht so unwichtige Rolle.

Piriformis SyndromDurch die unmittelbare Nähe zueinander kann der Piriformis-Muskel allerdings dem Ischias auch wortwörtlich „auf den Nerv gehen“: Wenn sich nämlich der Muskel verkrampft oder verkürzt und dadurch dicker wird, wird der Ischiasnerv genau an der Austrittsstelle eingeengt. In diesem Fall entstehen die Schmerzen also wieder durch einen eingeklemmten Nerv.

Das Piriformis-Syndrom kann zum Beispiel durch eine bestimmte Bewegung beim Sport ausgelöst werden. Das ist oft der Fall, wenn der Muskel durch einseitig ausgeführte Bewegungen oder beim Joggen überlastet wird.

Schmerzen durch Nervenentzündungen

Ischiasschmerzen können neben eingeklemmten Stellen außerdem auf Entzündungen der Nervenwurzeln zurückzuführen sein. In solchen Fällen sind die Schmerzen meist nachts am stärksten. Hinter der Entzündung kann ein Infekt wie etwa Lyme-Borreliose oder Gürtelrose stecken, diese Fälle sind aber eher selten.

Abgesehen davon ist es möglich, dass dahinter eine Bandscheibenentzündung steckt: Wenn bei einem Bandscheibenvorfall das Bandscheibengewebe mit dem Nerv in Kontakt kommt, führt das zu einer entzündlichen Reaktion. Ob eine Entzündung vorliegt, lässt sich am besten feststellen, indem Blut abgenommen wird und die Entzündungswerte untersucht werden.

Ischiassschmerzen durch die Schwangerschaft

Werdende Mütter haben oft mit Ischiasschmerzen zu kämpfen, da in der Schwangerschaft besonders viele Faktoren zusammenkommen, die den Nerv reizen können. Da wäre einerseits der Druck, den das ungeborene Kind auf das kleine Becken ausübt. Andererseits verlagert sich mit dem zunehmenden Gewicht der Körperschwerpunkt, sodass der Ischiasmuskel bzw. die gesamte Gesäßmuskulatur immer stärker belastet wird.

Welche Behandlung hilft bei Ischiasschmerzen?

Die Schmerzursache zu kennen, ist wichtig, aber Betroffene wollen vor allem eins: schnelle Abhilfe! Wärme oder Kälte, Medikamente oder Hausmittel – was hilft denn nun am besten bei Ischiasschmerzen?

Hausmittel: Was hilft sofort gegen Ischiasschmerzen?

Der Standardtipp gegen Ischiasschmerzen ist die Stufenlagerung: Legen Sie die Unterschenkel so auf einem Stuhl ab, dass sie sich im rechten Winkel zu den Oberschenkeln befinden. Atmen Sie ruhig und tief in den unteren Bauch, damit der Körper mit mehr Sauerstoff versorgt wird.

Hausmittel bei IschiasschmerzenBitte beachten Sie: Die Stufenlagerung hilft zwar bei akutem Schmerz, allzu lange Ruhephasen sind jedoch nicht das beste Heilmittel. Versuchen Sie, so bald wie möglich wieder leichte Bewegungen auszuführen, um chronische Schmerzentwicklung zu vermeiden.

Das zweite oft empfohlene Hausmittel ist Wärme – oder Kälte! Was besser hilft, lässt sich nur durch Ausprobieren herausfinden. Verwenden Sie zum Beispiel eine Rotlichtlampe, ein erwärmtes Kirschkernkissen oder eine Wärmesalbe, die Sie auf den unteren Bereich der Lendenwirbelsäule auftragen.

Wichtig ist bei Ischiasschmerzen, die Muskelentspannung zu fördern bzw. die Entzündung zu hemmen. Das funktioniert unter anderem mit Pflanzenölen, die entspannende Wirkung haben: Reiben Sie die schmerzende Stelle sanft mit Rosmarin-, Thymian-, Lavendel- oder Knoblauchöl ein. Sollten Sie keins dieser Öle im Haus haben, hilft es auch, eine halbierte Zwiebel zum Einreiben zu verwenden.

Medikamente oder Hausmittel?

Bei akuten Schmerzen scheint oft nichts anderes zu helfen als schmerzstillende oder muskelentspannende Medikamente (Muskelrelaxantien) wie Ibuprofen und Diclofenac. Auch entzündungshemmende Medikamente werden bei Ischiasschmerzen manchmal verschrieben.

All diese Hilfsmittel sind Maßnahmen, um die anfänglichen Schmerzen zu bekämpfen. Dagegen ist ganz bestimmt nichts einzuwenden, wesentlich länger als 1-2 Tage sollten die Medikamente allerdings nicht eingesetzt werden, sofern keine ärztliche Verordnung vorliegt.

Wie kann man den Ischiasnerv mit Übungen entlasten?

Egal, ob er Schmerzen bereitet oder nicht: Die beste Entlastung für den Ischiasnerv sind Dehnübungen. Denn je länger die Muskeln, desto weniger schnell reiben sie aneinander, wie es zum Beispiel beim Piriformis-Syndrom der Fall ist.

Ãœbungen für den IschiasnervWichtig für einen gesunden (oder schneller heilenden) Ischiasnerv ist es allgemein, die Rumpfmuskulatur zu stärken. Versuchen Sie es also neben Dehnübungen auch einmal mit funktionellem Krafttraining. So werden Bauch- und Rückenmuskeln gekräftigt.

Eine große Entlastung für den Ischiasnerv ist es zudem, wenn Sie das Alltagsverhalten ändern. Achten Sie zum Beispiel darauf, besser zu sitzen: Kippen Sie das Becken nach vorne, ziehen Sie die Schultern immer wieder bewusst nach unten und hinten und halten Sie den Nacken gerade. Und: Gehen Sie so viel wie möglich zu Fuß oder bewegen Sie sich anderweitig!

Wer schon einmal Ischiasschmerzen hatte, weiß nur zu gut, dass das nicht gerade angenehm ist. Nun kennen Sie aber immerhin die möglichen Schmerzgründe und Optionen, mit denen Sie vorbeugen können. Denn auch wenn Dehnübungen und ein gesunder Lebensstil keine absolute Garantie sind, dass der Ischiasnerv sich nie bemerkbar machen wird: Sie tun sich damit auf jeden Fall selbst etwas Gutes!


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