Schurwolle ist ein Naturmaterial, das von der warmen Winter-Bettdecke aus Schurwolle bis zum Schafschurwollteppich auf viele verschiedene Arten eingesetzt wird. Alles über die Eigenschaften von Schurwolle, Schafwoll-Bettdecken und zur Frage, ob und wie man Schurwolle waschen kann, erfahren Sie hier!

Was ist Schurwolle?

Der Begriff Schurwolle klingt auf den ersten Blick selbsterklärend. Wolle aus der Schafschur eben – oder? Aber wie kommt Merinowolle ins Spiel und ist Wolle nicht gleich Schurwolle? Zeit für ein paar Begriffsklärungen!

Reine Schurwolle

Schafschurwolle stammt von lebenden Tieren und wird im Schurprozess ein- bis zweimal pro Jahr gewonnen, üblicherweise im Frühjahr und Herbst. Die gekräuselten Haare sind eine Naturfaser, die vor allem aus Eiweiß besteht.

Reine Schurwolle heißt, dass die Fasern weder mit chemischen Produkten behandelt noch mit recycelten oder synthetischen Fasern vermischt wurden. Man unterscheidet bei Schafschurwolle vier Wollqualitäten:

  • Merinowolle: mit Abstand am feinsten und am stärksten gekräuselt
  • Crossbredwolle: wird von einer Kreuzung aus Merino- und Grobwollschafen geschoren und ist von mittelfeiner Qualität
  • Langwolle: kaum gekräuselt, aber sehr glänzend
  • Grobwolle: so gut wie gar nicht gekräuselt
  • Lammwolle: vom jungen Schaf geschoren und besonders weich

Die Schurwolle gibt es also nicht – aber wo liegen denn nun die Unterschiede im Detail, und was macht Schurwolle so besonders?

Schurwolle oder Merinowolle?

Diese Frage stellt sich eigentlich nicht, denn Merinowolle ist letztlich ebenfalls Schurwolle. Sie ist aber mit 15-23 Mikrometern wesentlich weicher und feiner als reguläre Schafwolle. Übrigens: Ein Menschenhaar ist 20-80 Mikrometer dick!

LammwolleMerinowolle wird ebenfalls von lebenden Schafen gewonnen. Sowohl bei Merinowolle als auch bei anderen Schurwollprodukten sollten Sie deshalb unbedingt darauf achten, so viele Informationen über die Tierschutzverhältnisse einzuholen wie möglich. Zusätze wie „kontrolliert biologische Tierhaltung“ sind gute Anzeichen für artgerechte Behandlung.

Eine echte Besonderheit ist übrigens Lammwolle: Sie wird innerhalb des ersten Lebensjahrs des jungen Schafs geschoren und ist noch sehr zart und fein. Keine Sorge: Die Lämmer müssen nicht etwa frieren, sondern werden in der Regel mit Sommerbeginn geschoren, wenn sie das Fell ohnehin nicht mehr brauchen.

Was ist der Unterschied zwischen Wolle und Schurwolle?

Schurwolle ist Wolle, soweit logisch – umgekehrt gilt das jedoch nicht. Denn Schafwolle kann nicht nur durch die Schur gewonnen werden, sondern zum Beispiel auch von bereits toten Tieren stammen.

Hinzu kommt, dass Schafe nicht die einzigen Wolllieferanten sind: Auch Alpakas, Lamas, Yaks etc. können geschoren werden. Der Zusatz „Schur“ ist also ein wichtiger Qualitätshinweis, denn um Schafschurwolle handelt es sich nur, wenn ein lebendes Schaf geschoren wurde. Bezeichnungen wie „reine Wolle“ sagen wiederum nichts darüber aus, ob es sich um echte Schurwolle handelt.

Eigenschaften von Schurwolle

Hochwertige Schafschurwolle ist ihren Preis definitiv wert. Denn hinter bzw. in den Wollfasern steckt ein ausgeklügeltes natürliches Wärmesystem: Durch die Kräuselung bilden die Fasern winzige Kammern, in denen Luft isoliert wird. Je nach Bedarf kann diese gespeichert oder wieder abgegeben werden, sodass Schurwolle temperaturregulierend wirkt.

Wenn wir von wärmender Schurwolle sprechen, ist das also streng genommen nicht ganz richtig. Vielmehr nehmen wir eine Decke aus Schurwolle oder auch Socken, Kleidung etc. deshalb als warm wahr, weil unsere eigene Körperwärme nicht nach außen entweicht.

Und was passiert, wenn man unter einem Schurwollstoff doch einmal ins Schwitzen gerät? Praktischerweise nichts, denn Schurwolle kann Wasser sehr gut absorbieren. Umgekehrt perlt Feuchtigkeit schnell von den Fasern ab.

Das liegt am Lanolin, dem Wollwachs in den Fasern. Es bewirkt, dass die Wolle geschmeidig bleibt. Durch den Fettgehalt ist Schurwolle außerdem äußerst pflegeleicht und neutralisiert unangenehme Gerüche.

Teppich, Bettdecke & Co.: Wie lässt sich Schafwolle verarbeiten?

Den Ursprung jedes Schurwollprodukts bildet die Schafschur. Die Haare werden aber nicht einfach irgendwie abrasiert, sondern man achtet darauf, möglichst ein durchgehendes Stück Wolle zu erhalten.

Die Wolle wird dann nach den Kriterien Farbe, Faserlänge, Kräuselung und Feinheit vorsortiert. Nach dieser ersten Sortierung muss sie sofort gereinigt werden, damit das Fett in der Wolle nicht verharzen kann und das fertige Produkt nicht den strengen Schafsgeruch aufweist. Sobald die Wolle sortiert und gereinigt ist, wird sie gekämmt. Danach ist sie bereit zum Weben und zur Weiterverarbeitung.

Für wen eignet sich eine Bettdecke aus Schafschurwolle?

Wenn Schafschurwolle wärmend wirkt, eignet sie sich dann nur für Menschen, die im Schlaf schnell frieren? Ganz im Gegenteil! Denn die Schurwolle wirkt temperaturausgleichend und ist äußerst saugfähig.

Bettdecke aus SchurwolleUnd das bedeutet: Ja, bei hohem Wärmebedarf eignet sich so eine Decke hervorragend, aber eben auch bei häufigem Schwitzen. Bis zu 33 Prozent ihres Eigengewichts kann Schafschurwolle an Feuchtigkeit aufnehmen und nach außen abtransportieren.

Wer es also nachts gern kuschelig warm hat, gleichzeitig aber zum Schwitzen neigt, kann mit einer Schafwollbettdecke nichts falsch machen!

Als optimale Ausrüstung bieten sich sogenannte Vier-Jahreszeiten-Decken an, die aus einer dünnen und einer dickeren Decke bestehen und bei Bedarf einfach verknüpft werden können. 

Übrigens: Auch Milbenallergiker sind mit Schurwollbettdecken gut beraten. Durch die Temperaturregulierung entsteht ein trockenes Bettklima, in dem Milben keine Lebensgrundlage haben.

Schurwolle waschen: Wie geht das?

Schafschurwolle ist von Natur aus sehr pflegeleicht. Der Begriff „pflegeleicht“ ist allerdings Ansichtssache – wie darf und soll man denn Schurwolle richtig pflegen bzw. waschen?

Schafschurwolle pflegen: allgemeine Tipps

Die oberste Regel bei Schurwolle lautet: sanfte Handhabung. Rubbeln oder kräftiges Reiben vertragen die Wollfasern weniger gut. Wenn Sie zum Beispiel einen Wollpullover per Hand waschen, sollten Sie ihn nicht zu lange einweichen lassen und ihn zum Trocknen nicht auswringen. Rollen Sie ihn stattdessen in ein Frotteehandtuch, sodass die Feuchtigkeit herausgedrückt wird.

Grundsätzlich reicht es aber bei den meisten Schurwollprodukten schon, sie regelmäßig gut auszulüften, idealerweise an der frischen Luft und bei erhöhter Luftfeuchtigkeit. Legen Sie ruhig Ihre Schurwollbettdecke auf einem Wäscheständer ausgebreitet nach draußen, wenn es gerade geregnet hat. Alternativ können Sie sie im Badezimmer lüften, wenn nach dem Duschen noch viel Wasserdampf in der Luft hängt.

Wenn es nötig ist, kann Schurwollstoff auch gebügelt werden. Legen Sie dazu ein Baumwolltuch zwischen Bügeleisen und Wolle und feuchten Sie das Tuch leicht an. In der Regel reicht es aber schon, den angefeuchteten Wollstoff sanft in Form zu ziehen.

Einen Teppich aus Schurwolle reinigen

Auch wenn man noch so sorgfältig damit umgeht: Manchmal kann es passieren, dass auf dem Teppich eben doch etwas Dreck landet. Bei Schurwolle ist das nicht weiter schlimm, denn in vielen Fällen können Sie Schmutz einfach ausklopfen, sobald er getrocknet ist.

WollteppichHartnäckige Flecken entfernen Sie am besten mit einem feuchten Baumwolltuch und etwas Wollwaschmittel bzw. rückfettender Seife. Achtung: Vermeiden Sie säurehaltige und bleichende Mittel wie zum Beispiel Waschmittel mit Tensiden. Das Wasser sollte außerdem nicht zu warm sein.

Nehmen Sie für die Reinigung eines Schurwollteppichs im Zweifelsfall lieber kälteres Wasser. Denn obwohl lauwarmes Wasser theoretisch kein Problem darstellt, ist es doch Ansichtssache, was als „lauwarm“ gilt.

Was Sie für so eine Reinigung mit Wasser und Seife außerdem brauchen, ist etwas Geduld. Denn es kann vorkommen, dass Sie mehrmals hintereinander den Fleck bearbeiten müssen: Allzu starkes Reiben verträgt Schurwolle wie gesagt nicht.

Sie wollen den Schurwollteppich einmal vollständig in der Badewanne auswaschen? Dann sollte er erstens danach gründlich ausgespült werden und zweitens so lange wie möglich trocknen können. Planen Sie am besten mehrere Tage Trockenzeit ein und legen Sie den Teppich (je nach Größe) flach auf einen oder mehrere Wäscheständer.

Schafschurwolldecken reinigen

Praktischerweise muss eine Schurwolldecke nicht oft gewaschen werden. Dafür sorgt der Selbstreinigungseffekt: Schurwolle nimmt durch die Struktur und Zusammensetzung der Wolle weniger Schmutz auf. Oft ist regelmäßiges Lüften ausreichend, um sie sauber zu halten.

Soll die Decke dann doch einmal in die Waschmaschine, stehen die wichtigsten Angaben auf dem Etikett. In der Regel kann die Decke bei 30-40 Grad im Wollwaschgang und mit Wollwaschmittel gewaschen werden. Und danach? Ab auf den Wäscheständer, nicht in den Trockner.

Um es kurz zu machen: Schafschurwolle kann viel mehr, als man auf den ersten Blick vielleicht meinen würde. Sie ist temperaturausgleichend, selbstreinigend, pflegeleicht und absolut natürlich. Mit einer Schurwollbettdecke aus kontrolliert biologischer Tierhaltung investieren Sie in Qualität – und nicht zuletzt absoluten Komfort!