Baumwolle: Materialkunde

 
05.12.2018

Sie ist weich, hautfreundlich und macht einiges mit – kein Wunder, dass Baumwolle beliebt wie nie ist! Aber wo liegt der Unterschied zwischen konventioneller Baumwolle und Bio-Baumwolle? Was ist eigentlich ägyptische Baumwolle und was sind die Vorteile einer aus Bio-Baumwolle? Das und mehr verrät unser Baumwoll-Ratgeber.

Steckbrief: Herkunft und Herstellung von Baumwolle

Vom T-Shirt über die Bettwäsche bis zum Frottee-Handtuch gibt es so gut wie keine Textilprodukte, die man nicht auch in der Baumwollvariante bekommt. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede, was die Herkunft und die Baumwollpflanze an sich angeht.

Wo wächst die Baumwollpflanze?

Die Baumwollpflanze ist ein Malvengewächs, das sich in tropischem und subtropischem Klima am wohlsten fühlt. Sie braucht eine Temperatur von durchgehend 20-30 Grad und viel Feuchtigkeit – allerdings nur, wenn diese aus dem Boden kommt, denn starken Regen verträgt die Pflanze nicht.

Bis zum fertigen Baumwollstoff dauert es aber eine ganze Weile. Da wäre zunächst die relativ lange Wachstumszeit: Erst nach 8-9 Monaten sind die Pflanzen reif. Die Ernte erfolgt dann per Hand oder maschinell. Anschließend werden die Baumwollfasern zu Ballen gepresst und gezwirbelt, sodass ein Garn entsteht.

Welche Baumwollarten gibt es?

Stolze 51 Arten von Baumwollpflanzen gibt es insgesamt. Nur vier davon sind aber tatsächlich geeignet, um Kleidung, Kosmetikprodukte wie Wattestäbchen etc. daraus herzustellen. Diese vier Arten gehören zur Untergattung Gossypium. Daneben gibt es noch weitere Untergattungen, zum Beispiel Karpas oder Sturtia.

Wolle oder Baumwolle: der feine Unterschied

Welche Baumwollarten gibt es?

Reine Wolle und Baumwolle gleichen sich nur im Namen. Denn Baumwolle ist ein rein pflanzliches Gewebe aus den reifen Samenhaaren der Baumwollpflanze. Wolle hingegen stammt von einem Tier, zum Beispiel einem Schaf oder Alpaka.

Gemeinsam haben aber beide Varianten, dass der Konsument sich immer für das ökologisch und ethisch unbedenkliche, nachhaltige Produkt entscheiden kann. Warum diese Entscheidung für Bio-Baumwolle so wichtig ist, erfahren Sie im nächsten Abschnitt.

Was ist Bio-Baumwolle?

Bio – was heißt das eigentlich genau, wenn es um Baumwolle geht? Unter Bio-Baumwolle, auf Englisch Organic Cotton, versteht man Baumwolle, die ohne Gentechnik und ohne jegliche Agrarchemie angebaut wird. Bio ist Baumwolle also nur dann, wenn weder chemische Düngemittel noch Pestizide, Fungizide oder Herbizide eingesetzt werden.

Bio-Baumwolle: die faire Option

Dieser Verzicht auf Chemie heißt unter anderem, dass Bio-Baumwollbauern weniger finanzielle Lasten tragen müssen. Denn Bauern, die genetisch modifizierte Baumwolle anbauen, verschulden sich oft hoch, um das teure Saatgut kaufen zu können. Nicht selten wird außerdem auf Kinderarbeit ausgewichen, um Geld für Arbeitskräfte zu sparen.

Ressourcen schonen mit Bio-Baumwolle

Bio-Baumwolle ist allein schon aus moralischer Sicht unbedingt zu empfehlen. Aber auch auf ökologischer Ebene ist es wichtig, der Bio-Qualität den Vorzug zu geben. Denn beim Anbau von Bio-Baumwolle wird im Vergleich zum herkömmlichen Anbau bis zu 91 Prozent weniger Grundwasser verbraucht.

Ein Beispiel: Um ein Kilo Baumwolle auf durchschnittlichem Weg zu produzieren, werden 11.000 Liter Wasser verbraucht. Zwar ist auch für die Gewinnung von Bio-Baumwolle Wasser nötig – aber eben deutlich weniger, denn die Pflanzen werden auf einer dickeren Humusschicht ausgesät und benötigen deshalb nicht so viel Wasser. Außerdem wird beim Anbau von Bio-Baumwolle statt Monokulturen meist das Prinzip des Fruchtwechsels angewendet.

Wie erkenne ich Bio-Baumwolle?

Der Anteil an Baumwolle, die biologisch und nachhaltig produziert wird, ist leider nach wie vor gering. Tatsächlich gilt nur 1 Prozent des weltweiten Anbaus als echte Bio-Baumwolle. Suchen Sie am besten beim Kauf nach dem IVN BEST. Dieses Gütesiegel garantiert das höchste Niveau in ökologischer und sozialverantwortlicher Hinsicht für die gesamte Lieferkette. Ebenfalls vertrauenswürdig sind die Bezeichnung kbA (kontrolliert biologischer Anbau) sowie der GOTS (Global Organic Textile Standard).

IVN_BestGOTS

Was ist ägyptische Baumwolle?

Sie ist die Königsklasse unter den Baumwollstoffen: ägyptische Baumwolle, auch Mako- oder Giza-Baumwolle (Gossypium Barbadense) genannt. Die Besonderheit dieser Baumwollsorte sind die außergewöhnlich feinen, langen Fasern.

Je höher diese sogenannte Stapellänge, desto glatter und weicher ist der Baumwollstoff. Bei ägyptischer Baumwolle wird unterschieden zwischen:

  • langstapelig: Giza 86/89/85/80/90
  • extralangstapelig: Giza 45/70/87/88

Wie fein die Baumwolle ist, erkennen Sie an der Fadendichte. Das Maximum liegt hier bei 800-1000: Robuster, glänzender und weicher kann Baumwolle nicht sein. Übrigens: Die weiche, stabile Qualität verschwindet nicht im Lauf der Zeit, sondern wird sogar mit jeder Wäsche leicht verstärkt. Waschen können Sie ägyptische Baumwolle ganz normal bei 40-60 Grad.

Wenn Sie Textilien aus diesem hochwertigen Naturstoff kaufen möchten, sollten Sie darauf achten, dass es sich auch tatsächlich um 100 Prozent ägyptische Baumwolle handelt. Denn alle Angaben unter der 100-Prozent-Marke könnten theoretisch bedeuten, dass der Anteil an ägyptischer Baumwolle gerade einmal 5 Prozent oder weniger beträgt.

Bettwäsche, Wohndecken & Co.: Verwendung von Baumwolle

Wenn sie Kleidung aus (Bio-)Baumwolle besitzen, kennen Sie vermutlich schon die angenehmen Eigenschaften dieser Pflanzenfaser. Der Vollständigkeit halber darf hier aber natürlich eine Aufzählung nicht fehlen!

Eigenschaften von Baumwolle

Eine Eigenschaft wird schon beim ersten Hautkontakt mit Baumwolle deutlich: Baumwollstoffe sind sehr weich und hautfreundlich. Davon profitieren nicht nur Allergiker mit empfindlicher Haut. Baumwolle ist außerdem:

  • widerstandsfähig
  • saugfähig
  • luftdurchlässig und atmungsaktiv
  • reißfest und dehnbar
  • hygienisch

Kurz gesagt, gibt es im Alltag kaum eine Situation, die Baumwollstoff nicht verzeiht. Flecken lassen sich auswaschen, weiße Wäsche kann sogar bei 90 Grad ausgekocht werden und das weiche Gefühl auf der Haut wird dadurch keineswegs gemindert.

Warum eigentlich Bettwäsche aus Bio-Baumwolle?

Was braucht ein gemütliches Bett? Ganz eindeutig eine Bettwäsche, die Decke und Kissen erst so richtig kuschelig macht!

Bettwäsche aus Baumwolle

Kein Wunder also, dass Baumwollbettwäsche ein Dauerbrenner ist. Wenn es sich dann auch noch um Bio-Baumwolle handelt, schläft es sich umso besser.

Denn neben den Aspekten Nachhaltigkeit und fairen Produktionsbedingungen hat so eine Bio-Bettwäsche-Garnitur eine sehr dichte, feste Faserstruktur. Diese Art Gewebe macht es Milben deutlich schwerer, sich festzusetzen. Wer also zur Milbenallergie neigt oder generell eine eher empfindliche Haut hat, ist mit einer Bettwäsche aus Bio-Baumwolle sicher gut beraten.

Baumwolle waschen – aber wie?

Baumwolle verzeiht viel, nicht zuletzt, weil sie problemlos mit Voll- oder Colorwaschmittel in der Maschine gewaschen werden kann. Bis zu 90 Grad Wassertemperatur sind möglich. Natürlich hat immer der Blick aufs Etikett Vorrang, grundsätzlich können Sie sich aber an diesen Temperaturbereichen orientieren:

  • Weiße Wäsche: bis 95°C
  • Buntwäsche, hell: bis 60°C
  • Buntwäsche, dunkel: 40°C

Auch ägyptische Baumwolle kann bei bis zu 60 Grad gewaschen werden, 30-40 Grad sind aber in der Regel schon ausreichend. Und was tun bei groben Flecken auf einem Baumwolltischtuch, dem Lieblingspulli etc.? Ganz einfach: Behandeln Sie – sofern die Färbung es zulässt! – den Fleck mit Gallseife und lassen Sie den Stoff eine Weile einweichen. In der Waschmaschine sollte der Fleck dann ganz verschwinden.

Lange in Form bleibt Baumwolle übrigens, wenn Sie den Stoff nach dem Waschen leicht zurechtziehen. Hängen Sie Baumwollwäsche am besten gerade auf. Das Trocknen im Wäschetrockner ist möglich, aber nicht unbedingt nötig. Denn Lufttrocknen ist nicht nur energiesparender, sondern trägt auch dazu bei, dass der Baumwollstoff noch länger schön bleibt.

Baumwolle ist ein echter Alleskönner: hautfreundlich, robust und herrlich vielseitig, was Design betrifft. Wichtig ist dabei aber das Bio-Label, bestätigt durch ein entsprechendes Gütesiegel. Denn erst IVN BEST und Co. machen Baumwolle zu einem Begleiter im Alltag, an dem Sie sich lange Zeit guten Gewissens erfreuen können!

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